Ein aufregendes Jahr geht zuende. Einen professionellen Rückblick habe ich schon bei Linkedin geschrieben. Für meinen Podcast „Im Hier und Morgen“ habe ich nun auch eine allgemeinere Ausgabe im Kolumnen-Stil verfasst. Die Audiospur ist ab dem 22.12.2022 um 4 Uhr morgens verfügbar, hier ist die Lesefassung mit mehr Hintergründen und steileren Thesen zur wirtschaftlichen Zukunft im Jahr 2023.

RÜCKBLICK 2022: Das Jahr der Doppelmoral

Dieses Jahr könnte man zusammenfassen mit den Kernthemen, zu denen ich am häufigsten von den Medien für Interviews angefragt wurde:

Ukraine-Krieg

Russlands Zar Wladimir der Putin hat das getan, was ich im letzten Jahresausblick (Spotify, Apple) angekündigt habe: er hat 100.000e seiner Soldaten in den Tod geschickt unter dem Vorwand, dort Nazis zu bekämpfen. Dass das Quatsch ist, wissen wir. Dass das vor den Menschengerichtshof und er in den Knast gehört, darin stimmen auch viele überein.

In verschiedenen Formaten wurde ich dazu befragt, was der Krieg mit uns in Europa und mit der Zukunftsforschung macht. Als Sozialwissenschaftler fand ich es spannend, die Doppelmoral in Diskussionen und auch die Ahnungslosigkeit in öffentlichen Debatten unter die Lupe zu nehmen. Dass der Angriffskrieg nur von der extremen Linken und Rechten zum Teil gerechtfertigt wird und wurde, verwundert nicht – das ist deren Rolle im Parlament und der Öffentlichkeit. Doch wie über Geflüchtete gesprochen wird, plötzlich diejenigen aus der Ukraine überwiegend gern aufgenommen wurden, jene aus Syrien oder Afghanistan regelmäßig abgewiesen wurden, macht mich wütend. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen – ich bin mir nicht sicher, ob das die durchschnittlich eher weiße, mittel- bis alte Talkshow-„Elite“ überhaupt verstanden hat.

Die Zukunftsforschung wiederum sieht sich mal wieder bestätigt in ihrer Rolle der Kassandra: Wir warnen und regen dazu an, Maßnahmenpläne für den Fall X vorzubereiten, doch nichts passiert. Natürlich gab es im Verteidigungsministerium und bei der Bundeswehr die Überlegungen, doch mit Überlegungen allein verteidigt man noch kein Land oder Kontinent. Insofern habe ich mich sehr über die Veröffentlichung der Fraunhofer-Studie für die Bundesregierung über strategische Vorausschau an meinem Geburtstag gefreut. Langsam nimmt das Thema Fahrt auf und ich freue mich sehr, im Dunstkreis der akademischen Zukunftsforschung nah dran sein zu dürfen.

Wann der Ukraine-Krieg vorbei geht, steht in den Sternen. Darüber erlaube ich mir auch keine Prognose, das widerspricht den Grundsätzen der seriösen Zukunftsforschung. Klar ist, dass wir vor Ablauf der nächsten sechs Monate nicht einmal darüber nachdenken können, wann der Wiederaufbau der Ukraine anfangen kann. Ob dann alles ruhig ist, wage ich zu bezweifeln.

Klimawandel und Klimaproteste

Immer mehr Menschen spüren die Auswirkungen des Klimawandels, auch wenn Wetterextreme nicht immer unbedingt damit zusammenhängen müssen. Doch die höhere Frequenz und Intensität dieser Extreme bestätigt die schlimmsten Annahmen der Forschenden des Club of Rome Berichts vor genau 50 Jahren: Die Menschheit steuert sich selbst in eine Klimakatastrophe, das 1,5°-Grad-Ziel ist nicht mehr zu erreichen.

Entsprechend gibt’s auch immer mehr Proteste. Dazu war ich zum Beispiel im November live bei n-tv eingeladen, um die Aktionen der Klimakleber einzuordnen. Meine klare Aussage: Die inhaltlichen Punkte der „letzten Generation“ teile ich ausdrücklich. Die Protestform wiederum ist gewöhnungsbedürftig, aber immerhin in der Regel ohne Gewalt an Menschen oder anderen Lebewesen. Der fingierte Fall einer verstorbenen Radfahrererin in Berlin während einer Klebe-Aktion war die Höhe der Doppelmoral, denn offensichtlich finden wir es okay, wenn Menschen von Lastwagen und anderen Fahrzeugen zu Tode gefahren werden – wenn aber dann ein Klimaprotest mutmaßlich zu einem verspäteten Eintreffen der Rettungskräfte beitragen, sind wir mal wieder wütend. Nur auf die Falschen!

In der ganzen Debatte wünsche ich mir – wie so oft – etwas mehr Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Daran arbeite ich unermüdlich weiter…

Elon Musks Übernahme von Twitter

Völlig grundlos hat der damals noch reichste Mann der Welt, Elon Musk, für über 40 Mrd. Dollar den finanziell angeschlagenen Kurznachrichtendienst Twitter gekauft, in Windeseile kaputt gespielt und sucht nun einen Nachfolger. Wie man in so kurzer Zeit zum Gespött der Welt werden kann und gleichzeitig auch den Börsenwert des einzigen wirklich rentablen Unternehmens im Portfolio vernichten kann (aktuell über 40%), ist mir ein Rätsel.

Warum steht das bei den Top 3 Themen? Weil sich um die ganze Twitter-Tragödie herum gezeigt hat, wie einflussreich die „sozialen“ Medien inzwischen geworden sind. US-Präsident Joe Biden lässt keinen Zweifel daran, dass die Vorgänge bei Twitter sehr genau beobachtet werden. Immerhin ist das Medium neben Facebook besonders in Schwellenländern nachweislich ein Katalysator für soziale Bewegungen und deshalb häufig gesperrt (wie beispielsweise in China), umgekehrt schlägt sich Meta (Facebooks Mutterkonzern) mit mehreren Klagen herum, die eine Mitschuld an Gewalttaten und Revolten, bis hin zum Sturm aufs US-Kapitol, unterstellen.

Das jüngere, dezentrale Netzwerk Mastodon könnte den Platz von Twitter einnehmen. Dieses basiert mehr auf den Grundgedanken das Web3, Heise.de hat darüber einen hilfreichen Artikel veröffentlicht. Eine Kernerkenntnis: Die Macht und auch der monetäre Gewinn wird nicht mehr zentralisiert in den Zentralen der großen Social Media-Firmen gebündelt, sondern dorthin verteilt, wo die User gehen. Mein Profil heißt Gondlach@mastodon.lol.

Dahinter liegt also eine größere Entwicklung, die viel über den Zustand des Silicon Valley aussagt. In der ausgehenden Pandemie haben einige Konzerne festgestellt, dass sie sich verzockt haben – andere, wie Meta und Microsoft, haben langfristig investiert und logischerweise geringere Gewinne angesichts der massiven Investitionen.


Globale Schlaglichter 2022

Aus globaler Sicht fehlen hier noch die Revolution im Iran, die Aggressionen aus China gegenüber Taiwan sowie das blutige Vorgehen gegen Lockdown-Proteste, die Wahlen in Brasilien und Italien, zwei neue internationale Bündnisse gegen EU und USA – nämlich rund um die OPEC-Staaten und das ASEAN-Bündnis. Ach, war eigentlich dieses Jahr diese Fußball-WM?

Nochmal für den deutschsprachigen Raum: Wir stritten über Corona-Maßnahmen, Gender-Wahnsinn, zu hohe Belastungen für Rentner:INNEN und kulturelle Aneignung – Fußnote: Dreadlocks gab es auch schon bei Wikingern, aber das nur nebenbei –, weiter stritten wir über angemessene Strafen für Klimaterrorist:innen mit Kartoffelbrei und eine beispiellose Razzia gegen Reichsbürger, die von einem echten Prinzen angeführt wurde.

Wir nörgelten über steigende Preise bei Aldi, Schimmelpilz in Pistazien, zu lasche Corona-Regeln, zu strenge Corona-Regeln, eine erfolgreichslose Ampel-Koalition, volle Züge und Busse zur Zeit des 9 Euro Tickets, zu viel Sonne im Sommer, zu viel Schnee im Dezember und vieles mehr. Dass das Gesundheitssystem im Eimer ist, ist nichts Neues, aber dieses Jahr dann leider auch für Kinder bestätigt.

Und lokal: Ich bin bei der Vorbereitung für diese Podcastfolge fast schrei-lachend vom Stuhl gekippt, als ich folgende Zeilen beim MDR las:

„’Oscar der Wissenschaft‘ und Nobelpreis: Sächsische Max-Planck-Institute räumen ab  … Mit dem DFB-Pokal hat RB Leipzig 2022 den ersten nationalen Fußball-Titel nach Sachsen gebracht –  die wohl noch wichtigeren Titel hat dieses Jahr aber das Max-Planck-Institut eingeheimst. Zunächst gab es für Prof. Svante Pääbo den Nobelpreis.“

MDR online

… der Vergleich hinkt, aber hey, man muss ja ein breites Publikum ansprechen.

Zukunftsangst …

Im Jahr der Zeitenwende, wie es unser Oberschlumpf Olaf Scholz bezeichnet hat, habe ich aus Sicht der Zukunftsforschung paradoxe Strömungen wahrgenommen. Auf der einen Seite die Resignation und Zukunftsangst: NO FUTURE FOR YOU, NO FUTURE FOR ME!

… gegen Aufbruchstimmung!

Auf der anderen Seite eine Renaissance des Merkelschen „wir schaffen das“! Wir schaffen es, die Geflüchteten Familien aus der Ukraine aufzunehmen und zu versorgen. Wir schaffen es, den menschengemachten Klimawandel wenigstens etwas einzudämmen, sodass nicht das Worst Case Szenario eintritt – und damit meine ich nicht die COP27 in Ägypten, sondern die zahlreichen Initiativen, Startups, Aktivista und, ja, auch Gesetzgebung und kürzlich das kanadische Abkommen zum globalen Umweltschutz.

Über das Thema Zukunftsangst habe ich im Sommer 2022 eine Umfrage gestartet und ein interessantes Bild aufgedeckt: Im privaten und beruflichen Bereich ist die Mehrheit der Befragten eher oder sehr zuversichtlich, „nur“ mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen steigt der Pessimismus. Meine Einschätzung ist, dass der Groschen gefallen ist und sich im nächsten Jahr eine deutlichere Richtung herauskristallisiert, wohin die Transformation unserer Systeme sich bewegen muss.


Ausblick 2023 mit Zwinkersmiley

Hier eine kleine subjektive Auswahl wichtiger Themen für das kommende Jahr:

  • Bürgergeld löst Hartz IV ab. Wie genau die ganze Aktion nicht im Chaos enden soll, konnten mir mehrere hochrangige Menschen in Arbeitsagenturen nicht sagen, aber hey, wir sind gespannt. Schlimmer kann’s kaum werden, also Kopf hoch, liebe Arbeitssuchende und Sozialschmarotzer:innen!
  • Für die nicht ganz so Geächteten gilt: die Midi-Job-Grenze wird von 1600 auf 2000 Euro angehoben und folgt damit dem Mini-Job, der ja seit Kurzem nicht mehr 450-Euro, sondern 520-Euro-Job heißt.
  • Das Lieferkettengesetz tritt in Kraft – man darf also jetzt als Unternehmen nicht mehr bewusst Sklaven beschäftigen, auch nicht die Zulieferer. Und ihre Chemieplörre dürfen die dann auch nicht mehr einfach so in den Fluss kippen, sondern müssen das endlich ordentlich verschleiern.
  • Einwegbecher und -geschirr gehört bald in die Geschichtsbücher, stattdessen werden sie wohl auch bald vom allseits beliebten Pfand-System abgelöst. Dass das der erste Schritt in eine echte Kreislaufwirtschaft sein könnte, in der der Kaffeebecher nicht mir gehört, sondern dem Café, werden viele Wutbürger:innen erstmal nicht verstehen.
  • Beim Kroatien-Urlaub können wir nun endlich die angesammelten Kuna zuhause lassen, denn: der Euro wird dort eingeführt. Wenn ich nicht selbst letztes Jahr dort gewesen wäre, hätte ich nicht gewusst, dass das heute noch nicht geht. Juhu.
  • Im Mai wird dann die neue Queen in Großbritannien gekrönt. Total fortschrittlich, sie ist nämlich ein Mann namens Charles III.
  • Im November schauen wir noch mehr als sonst nach Polen, denn dann wird dort ein neues Parlament gewählt, das möglicherweise einen weiteren Rechtsruck in Europa untermauern, oder aber verhindern könnte. Wobei sowas gerade für Polen eine andere Nummer ist, aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll.
  • Es stehen einige Ankündigungen in den Startlöchern, zum Beispiel gibt’s sicherlich ein neues iPhone, ein neues Google Pixel, ein paar neue Games, etwas mehr Furore im Metaverse und anderen virtuellen Welten. Die Liste der wahrscheinlichen Ereignisse ist zu lang für dieses Format, wichtiger ist: Es wird wieder viel passieren und darauf kann man sich einstellen. Über einiges werde ich bei GIGA.de Gastbeiträge wie den jüngst veröffentlichten über Zukunftsangst schreiben, aber das nur nebenbei.

Die wichtigsten Themen 2023

Mit Blick auf die globalen Herausforderungen und Krisenherde werden nächstes Jahr folgende Themen an Bedeutung gewinnen – in den Medien, in Unternehmen und der Gesellschaft:

Nachhaltigkeit: Vom Buzzword zu regenerativen Zukünften

Es gibt sie, die Ansätze für eine Lebens- und Organisationsweisen, um die Menschheit im Einklang mit dem Planeten zu navigieren. Die Art, wie wir konsumieren, wird sich ändern müssen; die Rohstoffe, die wir verbrauchen, werden immer stärker in Kreisläufen gedacht werden, denn von begrenzten Ressourcen auf Müllhalden haben wir alle nichts. Technologien können dabei helfen, leichtere Fahr- und Flugzeuge zu produzieren, die Treibstoffe könnten wenigstens etwas weniger umweltschädlich sein. Wir stecken in dem wohl größten Umschwung der Menschheit und alle müssen mitmachen. Ich verstehe das alles als Chance, nicht als Einbuße von Lebensqualität.

Der Diskurs rund um „Klimakleber“ ist symptomatisch für jede Zeitenwende. Natürlich regt sich Widerstand gegen ausbleibende Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel, natürlich regt sich dann auch Widerstand der konservativen „ich will, dass alles so bleibt“-Mentalität durch alle Lager der Gesellschaft. Für Unternehmen bleibt allerdings keine Wahl: Durch das Lieferkettengesetz und immer schärfere ESG-Auflagen (ecological and social governance) müssen sie Emissionen sparen, sozialere Bedingungen ermöglichen und so ihren Beitrag zu einer lebenswerten Welt leisten. Auch an dieser Stelle wird sich schon bald die Spreu vom Weizen trennen – ein nennenswerter Anteil der Insolvenzen der kommenden Jahre dürfte infolge nicht erfüllter Nachhaltigkeitsziele geschehen.

Virtuelle Immersion: Vom Metavse-Flop zu sinnvoller Ergänzung der Realität

Warum gibt es immer noch Meetings, zu denen die Teilnehmenden quer durch die Republik reisen? Weil die Technik, die wir nutzen, noch nicht ausgereift ist! Zoom, Teams, Webex, Skype und all die anderen sind ja nette Ansätze. Doch 2D-Bildchen und oft schlechte Audioqualität reichen nicht aus, um die Immersion zu schaffen. Was mit den verschiedenen Metaverse-Ansätzen verfolgt wird, ist die komplette Verschmelzung von realer und virtueller Sphäre. So könnte mein Avatar in einem Meetingraum am Tisch mit anderen Avataren sitzen, über Messen schlendern oder eine Keynote halten. Das Ganze dann fotorealistisch und in Echtzeit. „Zoom 4.0“ hat Stephan Bauer von Microsoft das in Podcast-Episode #087 (Apple, Spotify) genannt.

Anfang 2022 diskutierte ich mit dem damaligen NRW-Landesjustizminister über die Gefahren und Chancen virtueller Welten. Denn natürlich werden im Web3 nicht plötzlich alle Probleme des „social“ web gelöst – Mobbing, Betrug, Hatespeech, Cyber-Kriminalität im Allgemeinen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns damit auseinandersetzen. Auch oder gerade die Unternehmen! Im September riet ich beispielsweise einer Bank dazu, eine Filiale im Metaverse zu eröffnen, was belächelt wurde. Inzwischen sind die Dekabank und Deutsche Bank vor „Ort“, der Pionier-Vorteil ist also vorbei. Aber vielleicht ist das ja in Ihrer Branche noch anders?

Dezentralisierte Arbeit: Vom Fachkräftemangel zu globaler Kollaboration

Inzwischen kann ich in der Debatte um den Fachkräftemangel nur noch zynisch reagieren. Wir haben kein Problem mit der Anzahl verfügbarer Arbeitskraft, sondern mit der Offenheit der Arbeitgeber! Es stimmt: Die Ansprüche der Beschäftigten sind im Vergleich zu 2019 enorm gewachsen und nein, das hat nichts mit der Schneeflocken-Generation Z zu tun. Das ist alles Unsinn und ich möchte davon abraten, bunte Vorträge und Bücher über Gen Z oder Alpha zu kaufen – dass das ein Mythos ist, wurde bspw. vom Soziologen Martin Schröder von der Uni Marburg („Generationenmythos“) fundiert untersucht.

Derweil sucht die Mehrheit der Arbeitgeber angeblich verzweifelt nach hochqualifiziertem Personal, akzeptiert oft aber nur Bewerbungen in deutscher Sprache. Am besten per Post und mit tabellarischem Lebenslauf. In Zeiten von Xing und Linkedin wirkt das nicht nur anachronistisch, sondern geht schlicht meilenweit am Thema vorbei – setzen, 6! So bekommen wir die Einwanderung nicht vernünftig kanalisiert, wenn die Wirtschaft nicht mitzieht und dabei mithilft, Integration in die deutsche Gesellschaft zu gestalten. Ja, das bedeutet Mehrausgaben der Personalentwicklung, möglicherweise längere Akklimatisierung zwischen Bestandspersonal und den neuen Fachkräften. Aber es wird sich lohnen.

Und wer noch den Blick über den Tellerrand wagen möchte, gewöhnt sich schon mal an den Gedanken, mit immer mehr Freelancern aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Seit einigen Jahren vertrete ich die These, dass im Jahr 2030 bis zu 50 Prozent der Beschäftigten auch einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen werden. Der Hauptjob wird zwar in Festanstellung bei 60-80 Prozent ablaufen, der dient aber nur der Grundversorgung, Miete, Sozialversicherungen etc. Den Rest der Zeit möchten die Menschen mit mehr Sinnhaftigkeit nachgehen und sich möglicherweise einen weiteren Urlaub oder andere Wünsche finanzieren. Für Arbeitgeber heißt das nichts anderes als die Notwendigkeit sehr viel fluiderer HR-Strukturen. Und wozu soll ich überhaupt davon ausgehen, dass die besten Programmierer:innen in Deutschland wohnen möchten, egal wo sie geboren wurden? Ist das die Arroganz der Deutschen als Gegenpol zur German Angst, die uns hier selbst im Wege steht?

Tja, das Fazit aus all diesen Beobachtungen ist simpel: Schon 2023 werden die ersten Arbeitgeber quer durch alle Sektoren und Branchen vom Markt verschwinden, die sich nicht den neuen Gegebenheiten anpassen können.


Zukunftsforscher-Wunschliste für 2023

Meine globalgalaktische Wunschliste für das nächste Jahr:

  • Der Ukraine-Krieg endet und Putin verschwindet von der Bildfläche, gelinde ausgedrückt. Die Menschen in der Ukraine können mit dem Wiederaufbau beginnen und das westliche Bündnis bleibt trotzdem stabil, aber auch offen.
  • Kernfusion kommt wieder einen guten Schritt voran, wichtiger aber der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft – Grüße gehen auch raus an die Energiespeicher von JenaBatteries und anderen. Übrigens, schlagt doch mal der deutschen Bahn oder der katholischen Kirche vor, eure Energiespeicher unter ihre Flächen zu pflastern. Sind immerhin die größten Grundbesitzer hierzulande. Nur so ne Idee.
  • Überall, wo Wahlen anstehen, wünsche ich mir reihenweise Schlappen für extremistische Vollidiotenparteien. Immerhin ist die Welt mal wieder nicht untergegangen und die große Weltverschwörung hat sich wieder nicht als richtig erwiesen, das müssen die Leute doch langsam mal merken!

Zu guter Letzt wünsche ich allen, die das hier lesen, erholsame, besinnliche Feiertage. In diesem und auch jedem anderen Jahr. Auch wenn’s im Zusammentreffen von Familie und Angehörigen immer mal knallt, seid bitte gut zueinander und im Zweifel lieber mal tief Luft holen und das Thema wechseln.

Und dann: Auf in ein aufregendes, neues Jahr! Dafür wünsche ich Gesundheit, Glück und Erfolg – und alles, was ihr euch sonst noch wünscht.

PS: Wer noch ein hilfreiches Tool für die Reflexion des letzten und nächsten Jahrs sucht, dem empfehle ich den YearCompass – kostenlos als PDF zum selbst Ausfüllen am Rechner oder auch ausgedruckt.