10 Jahre - meine Highlights
Zehn Jahre, über 400 Vorträge, und die schönsten Momente kommen oft erst Jahre später an. In diesem Interview blicke ich auf die Auftritte zurück, die mich als Keynote Speaker und Zukunftsforscher geprägt haben. Ich erzähle, warum mich ausgerechnet ein Abend in Rottweil noch heute begleitet, wie ein komplexes Szenario-Projekt für den größten deutschen Immobilienverband entstanden ist und was es bedeutet, wenn Kunden Jahre später zurückrufen und sagen: Sie hatten damals Recht. Zukunftsforschung wirkt oft mit Verzögerung, und genau das macht sie so besonders.
Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurückblicken: Was war der Moment, in dem Sie zum ersten Mal gespürt haben, dass Ihre Arbeit wirklich Wirkung entfaltet?
Als Zukunftsforscher merkt man das erst mit einigen Jahren Verzögerung; dann, wenn die ersten Teilnehmer von Engagements sich melden und dafür bedanken, dass man auf bestimmte Entwicklungen aufmerksam gemacht hat. Ich wurde schon mehrfach nach einigen Jahren vom selben Kunden wieder eingeladen – oft mit den Worten: “Wir waren damals erst irritiert, haben dann aber gemerkt, dass Sie Recht hatten.”
Was war für Sie persönlich ein Höhepunkt, der von außen vielleicht gar nicht so spektakulär wirkte?
2017 durfte ich beim Tag des Handwerks einen Vortrag halten. Das klingt vielleicht erst einmal nicht außerordentlich, doch erstens war es glaube ich meine bis dato größte Bühne (in Quadratmetern und Anwesenden). Zweitens hatte ich erstmals eine Kamerafrau dabei, die um mich herumwuselte und tolle Aufnahmen gemacht hat. Und drittens stand auf derselben Bühne wenige Stunden vor mir die Bundeskanzlerin Angela Merkel – das unterstreicht die hohe Relevanz dessen, was ich tun darf.

Wenn Sie nur drei Auftritte aus zehn Jahren auswählen dürften, die Ihre Arbeit am besten repräsentieren – welche wären das und warum?
Als Keynote Speaker sehe ich viel Licht und Schatten, was das Veranstaltungsmanagement betrifft; es gibt wahnsinnig professionelle Betreuung auf der einen Seite, auf der anderen Seite natürlich auch kleine Formate, in denen es keine festen Ansprechpersonen gibt. Repräsentativ sind aus meiner Sicht die Anlässe in der Mitte. Ich erinnere mich gern an einen Anlass in Rottweil 2018, ausgerichtet vom Schwarzwälder Boten, der die interessierte Öffentlichkeit ins dortige Kraftwerk eingeladen hatte. Ein anderes Highlight war die Einladung vom Landratsamt Rottal-Inn, wo das RegioLab in Eggenfelden interessierte Unternehmer:innen der Region versammelte – und alles dafür getan wurde, dass ich mich wohlfühle (was gelungen ist!). Als drittes wähle ich die kurzfristigste Buchung aller Zeiten im Januar 2025; eines Donnerstags im Januar erhielt ich eine Anfrage, ob ich am kommenden Dienstag in Nürnberg auf einer Messe verfügbar wäre. Erst dachte ich, man habe sich im Jahr geirrt, doch es war ernstgemeint. Mit etwas Kalender-Tetris konnte ich dann tatsächlich fünf Tage nach der Anfrage dabei sein. Auch die drei Formate waren sehr unterschiedlich: Einmal eher ein Pressegespräch mit dem Deutschlandchef des Messeausstellers; einmal ein öffentliches, eher Theater-artiges Setting mit mir als Main Act; und der Anlass in Rottweil, der vor interessierten Unternehmer:innen stattfand, das in politische und wirtschaftliche Vorträge und Sessions eingebettet war.
Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Wissenschaft, Beratung und Öffentlichkeit. Welches Highlight hat Ihnen gezeigt, dass diese Kombination tatsächlich funktioniert?
Da gibt es nicht das eine Highlight, aber ein kürzliches Projekt, das diese drei Aspekte aufgreift – plus einen weiteren. Im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA e.V.), dem größten Branchenverband der Immobilien- und Bauwirtschaft Deutschlands, habe ich mit meinem PROFORE Zukunftsinstitut 2024 ein Szenarioprojekt durchgeführt. Hier war erstens der methodische Anspruch sehr hoch, was auch in der finalen Studie gezeigt wird. Zweitens waren wir in den vier Workshops natürlich auch beratend tätig, insbesondere zur Frage, wie denn die theoretischen Erkenntnisse aus den Szenarien sowie dem Prozess dahin in strategische Ableitungen überführt werden können. Dieser Teil ist natürlich nicht öffentlich verfügbar. Was – drittens – öffentlich aber verfügbar ist: Die Studie zum Nachlesen, die Präsentation auf dem ZIA Innovationskongress im November 2024 sowie diverse Aktivitäten, die der Verband seitdem auf der Basis der Studie gestartet hat. 2026 waren wir mit den Szenarien sogar für einen Award des Immobilienmanager Magazins nominiert.
Welche Bühne oder welcher Kontext hat Ihnen am meisten bedeutet: große Konferenzen, interne Strategiemeetings mit Führungskräften oder der direkte Austausch mit kleineren Organisationen?
Das ist pauschal schwer zu sagen, aber ganz offen: Wenn ich einen guten zwischenmenschlichen Draht zu meinem Auftraggeber habe, macht es mir natürlich am meisten Freude – und die überträgt sich dann auch aufs Publikum. Das kann mal ein Strategiegespräch sein wie einmal mit einem großen Wasserverband in Westdeutschland, wo ich nur mit den Führungskräften und dem Aufsichtsrat die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von Künstlicher Intelligenz beleuchtet habe. Es kann ebenso eine kleine Firma sein, die am Ende eines Mitarbeitertages (Neujahrsempfang, Weihnachtsfeier, Sommerfest) einen fundierten Zukunftsblick mit mir anbietet. Manchmal sind es auch Andersdenkende in großen Konzernen, die bewusst ungewöhnliche Impulse setzen möchten, die die zähen Strukturen wenigstens für einen Tag überwinden.

Wenn Sie an Ihr erstes größeres Projekt zurückdenken: Wie sehr unterscheidet sich das von den Projekten, die Sie heute machen?
Im Keynote-Bereich: Sehr stark! Angefangen habe ich ja noch als fester Mitarbeiter eines Think Tanks, hatte die Präsentationen mit meinem Vorgesetzten entwickelt und wenig eigene Impulse gesetzt – mir fehlte sowohl die Bühnen- als auch Facherfahrung. Das hat sich über die Jahre logischerweise entwickelt. Seit meiner Selbstständigkeit 2019 bereite ich jede Präsentation viel gezielter vor, gehe stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse und Zielsetzungen meiner Kunden ein, beziehe auch stärker die aktuellen, regionalen oder branchenspezifischen Rahmenbedingungen mit ein. Ebenso hat sich der Vertriebsweg gewandelt; heute arbeite ich mit verschiedenen Agenturen und Dienstleistern zusammen, die mich bei der Organisation der Auftritte unterstützen, damit ich mich voll auf die inhaltliche Korrespondenz, Vorbereitung und Durchführung konzentrieren kann.
Viele Highlights entstehen aus Risiken. Welche Entscheidung in den letzten zehn Jahren war besonders mutig – und hat sich im Nachhinein ausgezahlt?
Mit Beginn der Selbstständigkeit 2019 habe ich sehr viel Zeit und Geld in meine Positionierung gesteckt – und das tue ich bis heute. Der Erfolg anhand der Buchungszahlen, wiederkehrender Kundenbeziehungen sowie SEO-/GEO-Rankings zeigt: es hat sich gelohnt. Mutig war das deshalb, weil ich besonders in der Pandemie natürlich auch hätte sagen können: ein Geschäftsmodell, das maßgeblich von Veranstaltungen abhängt, ist keine langfristige Basis. Trotzdem habe ich jeden übrigen Euro in Positionierung und Vertrieb sowie jede freie Minute in die Entwicklung von Inhalten und Büchern gesteckt. Das zahlt sich jetzt aus.
Welche Rolle spielte das Schreiben von Büchern oder Whitepapern in Ihren persönlichen Highlights?
Ich verarbeite viele Inhalte aus den Veröffentlichungen in meinen Vorträgen, profitiere natürlich auch von dem riesigen Netzwerk der Sammelbände. Das ist eine schöne Wechselwirkung. Wenn ich fachliche Fragen habe, kenne ich grundsätzlich viele kluge Menschen, die meine Fragen beantworten oder Thesen diskutieren können. Ein Whitepaper über Künstliche Intelligenz gefiel einer Verlagsleiterin so gut, dass sie mich proaktiv ansprach, ob ich daraus nicht ein Buch machen wolle – das war die Geburtsstunde von „KI jetzt!“, das 2024 erschien. Rückblickend war ich mit sechs veröffentlichten Büchern zwischen 2021 und 2025 ganz schön produktiv; mir ist aber immer auch wichtig zu betonen, dass ich ohne meine Co-Herausgebenden und Co-Autoren sicher doppelt so lang gebraucht hätte.

Wenn Sie an Ihr Netzwerk denken: Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Teil eines größeren Ökosystems aus Zukunftsforschern, Strategen und Innovatoren geworden sind?
Das bin ich nicht geworden, das habe ich so gemacht. Seit 2019 bin ich Mitglied in der World Futures Studies Federation, dem Netzwerk Zukunftsforschung und schon 2014 gründete ich mit Kommiliton:innen den Alumniverein des Masterstudiengangs Zukunftsforschung (Kapitel 21: Zukunftsforschung), wo ich immer noch aktiv bin. Die Erkenntnis, dass Zukunftsforschung bzw. Foresight aber mehr braucht als die akademische Zukunftsforschung, reifte erst über die Jahre und so erweiterte ich schrittweise die Kontakte und Kooperationen zu den Bereichen Strategie, Innovation(smanagement), Change und weiteren. Dass daraus auch ein Geschäftsmodell entstehen kann, sieht man am Zukunftsinstitut PROFORE.
Wenn jemand Ihre Arbeit in zehn Jahren anhand eines einzigen Moments verstehen wollte – welcher Moment wäre das?
Dieser Moment liegt aktuell (April 2026) noch in der Zukunft, aber immerhin der nahen: Mit dem Launch der PROFORE Foresight Akademie, die sowohl Wissen als auch Umsetzungskompetenz vermitteln wird, wird meine Vision verständlicher. Damit möchte ich meinen Beitrag zu lebenswerten Zukünften teilen – und vor allem die Kompetenz zur strategischen Vorausschau in Organisationen verankern helfen. Alles, was ich in den letzten zehn Jahren professionell getan habe, zahlt auf diese Plattform ein.
Welches Highlight würden andere vielleicht erwarten – das für Sie persönlich aber gar keines war?
Besonders viel Applaus eines großen Publikums oder eingetretene Aussagen über die Zukunft. Es ist nicht so, dass mich die beiden Dinge kalt lassen, im Gegenteil. Aber es ist nichts, woran ich meinen Wert als Zukunftsforscher, Redner oder Berater primär messe.
10 Jahre Keynote Speaker - Persönlicher Rück- und Ausblick (Serienstart)
Es ist der 17. März 2016. Ein 28-jähriger Zukunftsforscher betritt einen Tagungsraum im Frankfurter Steigenberger Airport Hotel, sichtlich nervös. Er geht zum Rednerpult. Die rund 80 Teilnehmenden aus Architekturbüros, Hausverwaltungen und öffentlichen Einrichtungen aus dem Wohnungsbau erwarten einen inspirierenden Vortrag, der sie vom Fachtag ablenken soll. Was sie stattdessen erhalten: Ein 60-minütiges multimediales Feuerwerk über künstliche Intelligenz, adaptive Gebäude, Smart Home und Unternehmensstrategie. Dokumentierter O-Ton des Gastgebers: "Erstaunlich! Vielen Dank dafür. Darüber muss ich auf der Heimfahrt noch erstmal nachdenken."
Das war der Beginn meiner Redner-Karriere. Tatsächlich ein eher unwahrscheinliches Szenario, denn eigentlich hatte ich ganz andere Pläne an dem Tag, in dem Jahr.
Zehn Jahre liegt dieser erste offizielle Auftritt als Keynote Speaker nun zurück. Weit über 400 Vorträge habe ich inzwischen gehalten und es werden viele weitere folgen. Anlässlich dieses Jubiläums habe ich eine kleine Serie vorbereitet, in der ich dutzende Fragen im Interview-Format beantworte - denn nach so vielen Bühnen und Begegnungen lohnt sich der Rückblick in vielerlei Hinsicht. Ein wichtiger Grund ist, dass sich nach wie vor viele Menschen in Organisationen fragen, wen sie für ihre Veranstaltung einladen sollen. Bei der Entscheidung hilft natürlich ein authentischer Einblick in die Gedankenwelt der Speaker:in. Ein anderer Grund ist, dass ich schon häufig gefragt wurde, wie man "Keynote Speaker" wird, wie sich das dann anfühlt und warum man das eigentlich tut. Wie immer gibt es darauf nicht die eine Antwort, deshalb die Fünferserie. Darin gibt es Highlights, Lowlights, Einblicke in interessante Reisen, einen ehrlichen Blick aufs Speaker-Business sowie natürlich einen Ausblick auf die nächsten zehn Jahre.
Am Ende der Serie wird es als Highlight ein Best Of Video geben. Wait for it...
An dieser Stelle hole ich nicht weiter aus. Die Interviews in den folgenden Wochen werden viele Fragen beantworten. Ich sage 400 x Danke für tolle Anlässe, mein Wissen auf der Bühne teilen zu dürfen!
PS: Da ich als Soziologe ein Faible für Statistiken und Excel-Tabellen habe, ist seit 2016 alles lückenlos dokumentiert. Daher stammen auch die Zahlen im Counter auf der Startseite. Und daraus ziehe ich kontinuierlich Erkenntnisse zur Weiterentwicklung meiner Formate.
On the road mit Kai... und ChatGPT

... aus dem Leben eines Zukunftsforschers auf Reisen: Anfang März stand ich innerhalb von sieben Tagen fünf Mal auf der Bühne bzw. leitete einen Workshop. Bei einem war ich aktiver Teilnehmer, immerhin. Hier mein kurzes Reisetagebuch mit wertvollen Einblicken in die Dinge, die die Welt aktuell bewegen.
Meine Reiseroute Mi-Di: Einmal quer durch Deutschland (+ Salzburg)
Skurrilerweise war ich im Februar nur einmal im Kundenauftrag "on the road", der März begann direkt mit dem Gegenteilprogramm. Denn genau genommen startet unsere Reise am Mittwochabend, dem 1. März und endet am 7. März 2023.
Leipzig und die Bildungsrevolution
Den Ernst-Klett-Verlag (Hauptsitz Stuttgart, die Anfrage kam aus dem Leipziger Verlagsbereich für sozialwissenschaftliche Themen) kennen die meisten von uns dank der schönen Literatur noch aus dem Schulunterricht. Die Geschäftsführung meldete sich bei mir, da ich mich als Zukunftsforscher unter anderem mit den Themen Bildung und KI beschäftige - und da war schon im Januar klar, dass wir sprechen müssen, als die Veröffentlichung von OpenAIs Vorzeige-Projekt ChatGPT die Runde machte.
So lud mich Klett zu einem aktuellen und einflussreichen Thema ein: "ChatGPT im Klassenzimmer: Fluch oder Segen?". So hieß das Webinar, in dem ich eine digitale Keynote halten und mich anschließend den Fragen des Publikums - vor allem Lehrkräfte - stellen durfte. Warum gerade ich?
- Die Bildungswissenschaft ist Teil der DNS der deutschsprachigen Zukunftsforschung, immerhin wurde das Institut Futur an der Freien Universität am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie gegründet. Außerdem habe ich in meinem Grundstudium Soziologie / Politik- und Verwaltungswissenschaft auch die Zusammenhänge von Psyche und Gruppenverhalten studiert.
- Mein Whitepaper über zukunftsfähige Bildungssysteme, welches inzwischen übrigens auch über ISSN in der Deutschen Nationalbibliothek gelistet ist, beschreibt ein paar Zukunftsbilder des Bildungssystems - nicht uninteressant, wenn man Teil des Systems ist.
- Mit künstlicher Intelligenz (KI) befasse ich mich professionell seit meinem Studium der Zukunftsforschung und spätestens mit dem Band "Arbeitswelt und KI 2030" auch in Buchform nachlesbar. Kürzlich hatte ich den fantastischen Dr. Aljoscha Burchardt (DFKI) im Januar (#093) im Podcast "Im Hier und Morgen" zu Gast, um ChatGPT für alle verständlich zu erklären.
Das Klett-Webinar war am ersten Tag nach Verkündung im Klett-Eventkalender ohne Werbung ausgebucht, daher haben wir es auch nicht mehr beworben. 500 Teilnehmende wollten sich anschauen, was nun das Besondere an ChatGPT ist und welche Impulse wir gemeinsam für die Unterrichtsgestaltung geben. Letztlich war diese Frage natürlich schwieriger zu beantworten als möglicherweise erhofft; schließlich ist jede Klasse anders, jedes Fach in jeder Stufe stellt unterschiedliche Anforderungen - die wichtigste Botschaft lautete daher: Legt euch einen Account an und probiert es selbst aus, bevor das Kind in den Brunnen fällt. So eine starke Verkürzung der Diskussion im Anschluss an meine Keynote. Den meisten sollte klar geworden sein, dass mit ChatGPT endgültig die versteifte Prüfungsversessenheit des deutschen Bildungssystems ein Ende gefunden haben dürfte. Mehr noch: Meine These stellt auf eine Revolution im Bildungssystem ab. Das wird erst in ein paar Jahren so ersichtlich sein, weil die Prozesse zu einem neuen Alltag natürlich langwierig bleiben, doch das Erbe des Bildungssystems gerät schon jetzt ins Wanken. Weg mit den Prüfungen, weg mit den Noten, vielleicht werden sogar die Fächergrenzen endlich eingerissen. Ich bleibe am Ball.
Berlin und die Zukunft Deutschlands
Donnerstagfrüh ging es für mich nach Berlin zu einem Workshop mit D2030 - Deutschland neu denken e. V. und den Projektpartnern des Szenarioprozesses "Neue Horizonte 2045" - Deutsche Bahn, EnBW und AOK PLUS. Ich bin einer der Expert:innen im Szenarioteam und an der Erstellung von Szenarien beteiligt, die mögliche, konsistente Entwicklungspfade der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weg in die CO2-Neutralität beschreiben sollen. Ich bin Mitglied bei D2030, weil ein nennenswerter Teil der Gründer:innen mich schon lange Zeit auf dem Weg als Zukunftsforscher begleitet und ich weiß, dass methodisch hier alles richtig läuft. 2018 wurden erstmals Szenarien zur Zukunft Deutschlands veröffentlicht, welche nach Beginn der Pandemie sowie nach der Invasion Russlands in die Ukraine einem Stresstest unterzogen wurden. Nun sollen die Szenarien, die übrig geblieben und nach wie vor konsistent wahrscheinlich sind, in einer neuen Runde überprüft und ergänzt werden. Schließlich hat sich auch sonst etwas seitdem getan.
Wir diskutierten in illustrer Runde über die wichtigsten Rahmenbedingungen des Projekts, also die Einflussfaktoren, aber auch den Projektablauf. Im Herbst sollen die Ergebnisse stehen, die übrigens auch unter öffentlicher Beteiligung entstehen. Allein über Wildcards, also ungewisse und potenziell einflussreiche Ereignisse wie Vulkanausbrüche, einen Krieg um Taiwan oder das frühere Erreichen ökologischer Kipppunkte, tauschten wir uns fast eine Stunde lang aus. Übrigens wird es auch einige Möglichkeiten der Beteiligung geben, also lohnt sich ein Newsletter-Abo der Initiative!
Von Berlin aus ging es für mich mit der Bahn zum Düsseldorfer Flughafen, wo ich einen Mietwagen abgeholt habe, mit welchem ich am späten Abend nach Mönchengladbach fuhr - natürlich ein Elektroauto.
Mönchengladbach oder Aachen: Hauptsache ChatGPT!

In Mönchengladbach checkte ich gegen 23 Uhr im Hotel ein und nahm letzte Änderungen und Ergänzungen an meiner Präsentation für den nächsten Tag vor: Eine Keynote bei der Hochschulverwaltung der RWTH Aachen, welche letztes Jahr aufgrund einer Terminkollision bei mir leider nicht möglich war. Umso schöner war es, dass wir nun endlich zusammengefunden haben!

Freitagvormittag legte ich den letzten Teil der Strecke zurück, strandete kurz dank der Inkompatibilität des BYD-Mietwagens in Aachen, denn ich durfte lernen, dass nicht alle Ladestationen zu allen Elektroautos passen. Glücklicherweise hatte ich ausreichend Puffer eingeplant, bin etwas früher als geplant aufgestanden, sodass ich nicht ins Schwitzen kam. Die 90 Minuten Wartezeit bis zum vollen Akku verbrachte ich in der netten Sixt-Station in Aachen, die durch einen Kaffeevollautomaten, sehr freundliches Personal und bequeme Sessel die Strapazen erträglich gemacht hat.
Die letzte Etappe fuhr ich zur Charles Eventlocation in Aachen, um beim Strategietag der RWTH anzukommen. Die Begrüßung des Publikums habe ich natürlich ChatGPT vorlesen lassen, anschließend drehte sich mein Impulsvortrag um Perspektiven auf Zukünfte und welche Strategien es für Führungskräfte gibt, ihre Beschäftigten durch die ungewissen Zeiten zu lotsen. Das Stichwort Employer Branding tauchte möglicherweise auch darin auf.
Nach einer spannenden Fragerunde und Gesprächen mit der Führungsetage der Verwaltung, was denn nun konkret umgesetzt werden könne, stieg ich in den Mietwagen, um zurück zum Flughafen zu navigieren. Denn anschließend musste ich leider ausnahmsweise ein Flugzeug besteigen, immerhin knapp kein Inlandsflug - es ging nach Salzburg. Auslöser dafür war der Streik sämtlicher Verkehrsunternehmen im Nah- und Fernverkehr am 3. März, welchen ich ausdrücklich unterstütze, leider auf Kosten meines ökologischen Fußabdrucks. Dass dieser ohnehin Augenwischerei der fossilen Lobby ist, wissen wir ja zum Glück, dennoch versuche ich natürlich, meine Flüge geringzuhalten.
Salzburg und die Zukunft der Digitalisierung & Dekarbonisierung
Warum eigentlich Salzburg?
Erstens ist Salzburg immer eine Reise wert.
Zweitens war ich dort am nächsten Tag eingeladen, also am 4. März, genauer bei der 8. Konferenz für Interim-Management des Dachverbands der österreichischen Interim-Manager, um eine Keynote über "Dekarbonisierung und Digitalisierung" vor rund 180 Interim-Managern zu halten. Die wichtigsten Erkenntnisse habe ich ausführlich in einem anderen Zlog-Beitrag über das goldene Zeitalter des Interim-Management festgehalten.
Einen Teil des Programms konnte ich mitverfolgen und habe anerkennend festgestellt, dass die Speerspitze des agilen Managements schon tief in den Themen auf meiner ersten Präsentationsfolie steckt. Digitalisierung ist hier kein Buzzword, sondern alltägliche, operative Praxis. Ebenso Dekarbonsierung, wie ich in einem Vortrag von Dr. Pfeifer sehen konnte: Er referierte vor mir über die Einführung von ESG (ecological and social governance) in Unternehmen, also wie Organisationen Nachhaltigkeitsreporting aufsetzen und die CO2-Emissionen erst einmal erfassen, dann Maßnahmen zur Reduktion umsetzen und vieles mehr.
Der Interim-Management-Bereich ist mir nicht neu und zahlt stark auf meine gängigen Thesen rund um die Arbeitswelt der nächsten 10-15 Jahre ein. Viele Organisationen sind schlicht überfordert mit der Vielzahl dringender und wichtiger Trends, wenn man das so allgemein sagen darf. Dennoch war ich ziemlich baff, als ich auf dem Weg nach draußen - zum Bahnhof - Zuspruch von Dutzenden Teilnehmenden erhielt, in viele Gespräche verwickelt wurde, was mich als typischen Tiefstapler natürlich umso mehr gefreut hat. Wir bleiben in Kontakt!
Balingen / Hechingen und ein intensiver Future Day
Anschließend ging es mit der Bahn von Salzburg nach Balingen in Baden-Württemberg, da ich am Montag einen Workshop (Future Day) in Hechingen gemeinsam mit PROFORE-Partner Sven Göth (FUTURISER) leiten durfte. Dieser wurde seit 2020 verschoben aus den unterschiedlichsten Gründen, einer hatte mit Corona zu tun.
In sechs Stunden haben wir vor einem Team aus zwei unterschiedlichen Unternehmen erst Impulse geliefert, sind dann in die Relevanzbewertung eingetaucht, um schließlich sehr konkrete Ableitungen für nächste Schritte zu treffen. Diagnose: Sieht gut aus, die Potenziale sind gigantisch, möglicherweise später mehr. Dieses Format macht mir besonders viel Freude, weil nicht nur die visionäre Fortschreibung von Trends im Mittelpunkt steht, sondern der konkrete Bezug aufs Geschäftsmodell, das ich vorher in der Regel nicht kenne - und meist auch meine Kundinnen und Kunden nicht so genau beschreiben können.
München und der Spielfilm aus dem Laptop

Montagabend fuhren Sven und ich gemeinsam nach Stuttgart, von dort aus bin ich dann mit der Bahn nach München gereist, um am Dienstag eine lange verschobene Keynote bei Constantin Film - erstmals im Kino-Ambiente! - vor rund 50 Menschen zu halten. Auch hier war der Termin eigentlich für 2021 angesetzt, wurde seitdem mehrfach neu terminiert, nun war es endlich so weit!
Die Kernfrage lautete hier: Womit verdienen Produktionsfirmen eigentlich Geld, wenn ChatGPT, Dall-E und Co. die Produktion von Bewegtbild auf jeden Laptop bringen? (Keine Sorge, es gab auch Antworten) Denn das ist kurz vor Veröffentlichung von GPT-4 eindeutig naheliegend: Wenn schon jetzt Seinfeld-Folgen auf Dauerschleife im Comicstil von einer KI geschrieben und produziert werden, fotorealistische Echtzeit-Generierung von Endlos-Computerspielewelten Einzug in die Gaming-Community halten und immer mehr Menschen unzufrieden mit dem Ausgang von Filmen und Serien sind (wer erinnert sich an den Shitstorm nach der letzten Game of Thrones Staffel?), stellt sich mal wieder die alles entscheidende Frage: Was ist eigentlich der Kern des Geschäftsmodells? Spoiler: Es ist nicht die Produktion des Films. Es ist das Storytelling, die Auswahl origineller Geschichten und Heldenreisen.
Anschließend hatte ich noch zwei Meetings in München, in einem ging es um ein eigenes Projekt, das möglicherweise unter meiner Mitwirkung eines Tages auf Bildschirmen zu sehen sein wird. In dem anderen ging es um mein anderes Großprojekt, in dem wir gerade drei Sammelbände unter der Überschrift "Nachhaltigkeit und Innovation" im Springer VS Verlag vorbereiten. Stay tuned...
Epilog
Das Thema, das überall die Gespräche dominierte, war ganz klar ChatGPT. Dazu habe ich ja hier und bei GIGA und auch in anderen Medien schon meine Einschätzung geteilt. Natürlich nutze ich dieses und andere Tools wie you.com inzwischen standardmäßig, ebenso tun es Schüler:innen, Redakteur:innen und alle, die mit Text zu tun haben. Ersetzt das nun massenhaft Jobs? Vielleicht in den USA und einigen wenigen Unternehmen in Deutschland. In Wirklichkeit steigern die generativen KIs nun endlich die Produktivität - auf diese Steigerung haben wir sehr lange gewartet. Möglicherweise ist das ein Hebel gegen den Fachkräftemangel... doch ohne Umschulungskonzepte schaffen wir die anderen Herausforderungen nicht.
Am Dienstagabend fuhr ich dann endlich wieder nach Hause. Mit so vielen neuen Eindrücken im Gepäck, dutzenden ungelesenen E-Mails im Postfach und Vorfreude auf mein Zuhause mit anderthalb geliebten Mitbewohner:innen konnte es gar nicht schnell genug gehen...
10/2021: 2050: Eine Reise in die Zukunft - Keynote von Kai Gondlach (KGSt®-FORUM)
Anfang Oktober war ich für eine Keynote in Bonn - eingeladen hat mich die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) zum beim KGSt®-FORUM 2021 mit Rekordbeteiligung von 3700 Teilnehmenden!
Die beim KGSt®ist ein von Städten, Gemeinden und Landkreisen gemeinsam getragener Fachverband für kommunales Management, bezeichnet sich selbst als kommunalen Fachverband für Managementthemen. Die Themen der Keynote orientieren sich entsprechend an den Bedarfen des Kommunalmanagements, also von Städten und Gemeinden. Ich hatte großen Spaß, nicht zuletzt mal wieder vor einer solchen Menge von Menschen sprechen zu dürfen! Aber auch im Vorgespräch mit den Veranstalter:innen, Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner, Verwaltungsratsvorsitzendem Prof. Dr. Hans-Günter Henneke und dem Moderator Bill Mockridge.
Urheberrechte liegen bei den in der Präsentation angegebenen Rechteinhabern. Die Musik im Intro und Outro ist lizensiert via https://www.fesliyanstudios.com/license/?id=36a846a2-bd94-41f9-a067-ec043d94ed93
Imagefilm 2021 (Showreel)
Mein neuer Imagefilm bzw. Showreel ist online: Schauen Sie sich an, wie ich auf der Bühne oder vor der Kamera auftrete! Seit der Coronapandemie bin ich auch im Heimstudio bestens ausgestattet mit Greenscreen, professioneller Mikrofontechnik von Rode sowie professioneller Lichttechnik von Neewer.





