Kai Gondlach als Keynote Speaker auf einer Bühne – 10 Jahre Highlights

10 Jahre - meine Highlights

Zehn Jahre, über 400 Vorträge, und die schönsten Momente kommen oft erst Jahre später an. In diesem Interview blicke ich auf die Auftritte zurück, die mich als Keynote Speaker und Zukunftsforscher geprägt haben. Ich erzähle, warum mich ausgerechnet ein Abend in Rottweil noch heute begleitet, wie ein komplexes Szenario-Projekt für den größten deutschen Immobilienverband entstanden ist und was es bedeutet, wenn Kunden Jahre später zurückrufen und sagen: Sie hatten damals Recht. Zukunftsforschung wirkt oft mit Verzögerung, und genau das macht sie so besonders.

 


 

Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurückblicken: Was war der Moment, in dem Sie zum ersten Mal gespürt haben, dass Ihre Arbeit wirklich Wirkung entfaltet?

Als Zukunftsforscher merkt man das erst mit einigen Jahren Verzögerung; dann, wenn die ersten Teilnehmer von Engagements sich melden und dafür bedanken, dass man auf bestimmte Entwicklungen aufmerksam gemacht hat. Ich wurde schon mehrfach nach einigen Jahren vom selben Kunden wieder eingeladen – oft mit den Worten: “Wir waren damals erst irritiert, haben dann aber gemerkt, dass Sie Recht hatten.”

 

Was war für Sie persönlich ein Höhepunkt, der von außen vielleicht gar nicht so spektakulär wirkte?

2017 durfte ich beim Tag des Handwerks einen Vortrag halten. Das klingt vielleicht erst einmal nicht außerordentlich, doch erstens war es glaube ich meine bis dato größte Bühne (in Quadratmetern und Anwesenden). Zweitens hatte ich erstmals eine Kamerafrau dabei, die um mich herumwuselte und tolle Aufnahmen gemacht hat. Und drittens stand auf derselben Bühne wenige Stunden vor mir die Bundeskanzlerin Angela Merkel – das unterstreicht die hohe Relevanz dessen, was ich tun darf.

(c) Uli Regenscheit; Kai Gondlach beim VDAW Verbandstag
(c) Uli Regenscheit; Kai Gondlach beim VDAW Verbandstag

 

Wenn Sie nur drei Auftritte aus zehn Jahren auswählen dürften, die Ihre Arbeit am besten repräsentieren – welche wären das und warum?

Als Keynote Speaker sehe ich viel Licht und Schatten, was das Veranstaltungsmanagement betrifft; es gibt wahnsinnig professionelle Betreuung auf der einen Seite, auf der anderen Seite natürlich auch kleine Formate, in denen es keine festen Ansprechpersonen gibt. Repräsentativ sind aus meiner Sicht die Anlässe in der Mitte. Ich erinnere mich gern an einen Anlass in Rottweil 2018, ausgerichtet vom Schwarzwälder Boten, der die interessierte Öffentlichkeit ins dortige Kraftwerk eingeladen hatte. Ein anderes Highlight war die Einladung vom Landratsamt Rottal-Inn, wo das RegioLab in Eggenfelden interessierte Unternehmer:innen der Region versammelte – und alles dafür getan wurde, dass ich mich wohlfühle (was gelungen ist!). Als drittes wähle ich die kurzfristigste Buchung aller Zeiten im Januar 2025; eines Donnerstags im Januar erhielt ich eine Anfrage, ob ich am kommenden Dienstag in Nürnberg auf einer Messe verfügbar wäre. Erst dachte ich, man habe sich im Jahr geirrt, doch es war ernstgemeint. Mit etwas Kalender-Tetris konnte ich dann tatsächlich fünf Tage nach der Anfrage dabei sein. Auch die drei Formate waren sehr unterschiedlich: Einmal eher ein Pressegespräch mit dem Deutschlandchef des Messeausstellers; einmal ein öffentliches, eher Theater-artiges Setting mit mir als Main Act; und der Anlass in Rottweil, der vor interessierten Unternehmer:innen stattfand, das in politische und wirtschaftliche Vorträge und Sessions eingebettet war.

 

Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Wissenschaft, Beratung und Öffentlichkeit. Welches Highlight hat Ihnen gezeigt, dass diese Kombination tatsächlich funktioniert?

Da gibt es nicht das eine Highlight, aber ein kürzliches Projekt, das diese drei Aspekte aufgreift – plus einen weiteren. Im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA e.V.), dem größten Branchenverband der Immobilien- und Bauwirtschaft Deutschlands, habe ich mit meinem PROFORE Zukunftsinstitut 2024 ein Szenarioprojekt durchgeführt. Hier war erstens der methodische Anspruch sehr hoch, was auch in der finalen Studie gezeigt wird. Zweitens waren wir in den vier Workshops natürlich auch beratend tätig, insbesondere zur Frage, wie denn die theoretischen Erkenntnisse aus den Szenarien sowie dem Prozess dahin in strategische Ableitungen überführt werden können. Dieser Teil ist natürlich nicht öffentlich verfügbar. Was – drittens – öffentlich aber verfügbar ist: Die Studie zum Nachlesen, die Präsentation auf dem ZIA Innovationskongress im November 2024 sowie diverse Aktivitäten, die der Verband seitdem auf der Basis der Studie gestartet hat. 2026 waren wir mit den Szenarien sogar für einen Award des Immobilienmanager Magazins nominiert.

(c) Ludwig Schedl; Kai Gondlach beim pma focus 2019

 

Welche Bühne oder welcher Kontext hat Ihnen am meisten bedeutet: große Konferenzen, interne Strategiemeetings mit Führungskräften oder der direkte Austausch mit kleineren Organisationen?

Das ist pauschal schwer zu sagen, aber ganz offen: Wenn ich einen guten zwischenmenschlichen Draht zu meinem Auftraggeber habe, macht es mir natürlich am meisten Freude – und die überträgt sich dann auch aufs Publikum. Das kann mal ein Strategiegespräch sein wie einmal mit einem großen Wasserverband in Westdeutschland, wo ich nur mit den Führungskräften und dem Aufsichtsrat die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von Künstlicher Intelligenz beleuchtet habe. Es kann ebenso eine kleine Firma sein, die am Ende eines Mitarbeitertages (Neujahrsempfang, Weihnachtsfeier, Sommerfest) einen fundierten Zukunftsblick mit mir anbietet. Manchmal sind es auch Andersdenkende in großen Konzernen, die bewusst ungewöhnliche Impulse setzen möchten, die die zähen Strukturen wenigstens für einen Tag überwinden.

 

Wenn Sie an Ihr erstes größeres Projekt zurückdenken: Wie sehr unterscheidet sich das von den Projekten, die Sie heute machen?

Im Keynote-Bereich: Sehr stark! Angefangen habe ich ja noch als fester Mitarbeiter eines Think Tanks, hatte die Präsentationen mit meinem Vorgesetzten entwickelt und wenig eigene Impulse gesetzt – mir fehlte sowohl die Bühnen- als auch Facherfahrung. Das hat sich über die Jahre logischerweise entwickelt. Seit meiner Selbstständigkeit 2019 bereite ich jede Präsentation viel gezielter vor, gehe stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse und Zielsetzungen meiner Kunden ein, beziehe auch stärker die aktuellen, regionalen oder branchenspezifischen Rahmenbedingungen mit ein. Ebenso hat sich der Vertriebsweg gewandelt; heute arbeite ich mit verschiedenen Agenturen und Dienstleistern zusammen, die mich bei der Organisation der Auftritte unterstützen, damit ich mich voll auf die inhaltliche Korrespondenz, Vorbereitung und Durchführung konzentrieren kann.

 

Viele Highlights entstehen aus Risiken. Welche Entscheidung in den letzten zehn Jahren war besonders mutig – und hat sich im Nachhinein ausgezahlt?

Mit Beginn der Selbstständigkeit 2019 habe ich sehr viel Zeit und Geld in meine Positionierung gesteckt – und das tue ich bis heute. Der Erfolg anhand der Buchungszahlen, wiederkehrender Kundenbeziehungen sowie SEO-/GEO-Rankings zeigt: es hat sich gelohnt. Mutig war das deshalb, weil ich besonders in der Pandemie natürlich auch hätte sagen können: ein Geschäftsmodell, das maßgeblich von Veranstaltungen abhängt, ist keine langfristige Basis. Trotzdem habe ich jeden übrigen Euro in Positionierung und Vertrieb sowie jede freie Minute in die Entwicklung von Inhalten und Büchern gesteckt. Das zahlt sich jetzt aus.

 

Welche Rolle spielte das Schreiben von Büchern oder Whitepapern in Ihren persönlichen Highlights?

Ich verarbeite viele Inhalte aus den Veröffentlichungen in meinen Vorträgen, profitiere natürlich auch von dem riesigen Netzwerk der Sammelbände. Das ist eine schöne Wechselwirkung. Wenn ich fachliche Fragen habe, kenne ich grundsätzlich viele kluge Menschen, die meine Fragen beantworten oder Thesen diskutieren können. Ein Whitepaper über Künstliche Intelligenz gefiel einer Verlagsleiterin so gut, dass sie mich proaktiv ansprach, ob ich daraus nicht ein Buch machen wolle – das war die Geburtsstunde von „KI jetzt!“, das 2024 erschien. Rückblickend war ich mit sechs veröffentlichten Büchern zwischen 2021 und 2025 ganz schön produktiv; mir ist aber immer auch wichtig zu betonen, dass ich ohne meine Co-Herausgebenden und Co-Autoren sicher doppelt so lang gebraucht hätte.

 

Wenn Sie an Ihr Netzwerk denken: Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Teil eines größeren Ökosystems aus Zukunftsforschern, Strategen und Innovatoren geworden sind?

Das bin ich nicht geworden, das habe ich so gemacht. Seit 2019 bin ich Mitglied in der World Futures Studies Federation, dem Netzwerk Zukunftsforschung und schon 2014 gründete ich mit Kommiliton:innen den Alumniverein des Masterstudiengangs Zukunftsforschung (Kapitel 21: Zukunftsforschung), wo ich immer noch aktiv bin. Die Erkenntnis, dass Zukunftsforschung bzw. Foresight aber mehr braucht als die akademische Zukunftsforschung, reifte erst über die Jahre und so erweiterte ich schrittweise die Kontakte und Kooperationen zu den Bereichen Strategie, Innovation(smanagement), Change und weiteren. Dass daraus auch ein Geschäftsmodell entstehen kann, sieht man am Zukunftsinstitut PROFORE.

 

(c) Sandy Dinkelacker; Kai Gondlach bei der DWA Landesverbandstagung 2023

Wenn jemand Ihre Arbeit in zehn Jahren anhand eines einzigen Moments verstehen wollte – welcher Moment wäre das?

Dieser Moment liegt aktuell (April 2026) noch in der Zukunft, aber immerhin der nahen: Mit dem Launch der PROFORE Foresight Akademie, die sowohl Wissen als auch Umsetzungskompetenz vermitteln wird, wird meine Vision verständlicher. Damit möchte ich meinen Beitrag zu lebenswerten Zukünften teilen – und vor allem die Kompetenz zur strategischen Vorausschau in Organisationen verankern helfen. Alles, was ich in den letzten zehn Jahren professionell getan habe, zahlt auf diese Plattform ein.

 

Welches Highlight würden andere vielleicht erwarten – das für Sie persönlich aber gar keines war?

Besonders viel Applaus eines großen Publikums oder eingetretene Aussagen über die Zukunft. Es ist nicht so, dass mich die beiden Dinge kalt lassen, im Gegenteil. Aber es ist nichts, woran ich meinen Wert als Zukunftsforscher, Redner oder Berater primär messe.


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